Seit wir in Bolivien sind, ist es wahnsinnig schwierig, unsere Berichte hochzuladen, da das Internet hier so instabil ist. Oft braucht es mehrere Tage und gute Nerven, aber wir geben nicht auf!

Samaipata.

Das idyllisch zwischen niedrigen Gebirgszügen gelegene Samaipata lädt zu Ausflügen in die nähere Umgebung förmlich ein. Den ersten haben wir gleich für den Samstag gebucht – er führt uns mit einem Minibus über eine holprige, staubige Piste bergauf in den Amboró-Nationalpark. Unsere siebenköpfige Gruppe wird von einer jungen Führerin durch den dichten Nebel-Bergwald geleitet, der sich hier auf einer Höhe von 2.000 bis 2.500 Metern ausbreitet. Neben uns und drei sich äußerst cool gebenden Brüdern aus der Schweiz nehmen noch ein junger Däne und eine gerade 20-jährige Österreicherin an unserer ersten „Dschungelexpedition“ in Südamerika teil. Das Mädel aus der Nähe von Gmund am Traunsee ist erst vor einer Woche in Bolivien angekommen und will hier vier Monate bleiben – ihre Schwester wohnt zusammen mit Freund und achtmonatigem Baby auf einem einsamen Berghof sechs Kilometer außerhalb von Samaipata. Hier hat der Lebensgefährte vor acht Jahren Lande gekauft und sich jetzt ein Haus hingestellt.  Die Kleinfamilie baut Früchte und Gemüse an und braut außerdem Bier. Junge Freiwillige, wie zur Zeit der Däne, helfen gegen Kost und Logis bei der Arbeit. Warmes Wasser gibt es nur, wenn die Sonne scheint – es ist ein selbst gewähltes, einfaches Leben dort oben in den grünen Hängen der Cordillera Oriental

Wir erhalten auf unserer mit Pausen fast fünfstündigen Wanderung durch den Nationalpark einen Eindruck von der botanischen Vielfalt des Amboró. Was in diesem Teil des Parks – es gibt auch noch einen anderen, ins Tiefland reichenden – allerdings nicht vorkommt, sind Pflanzen mit Blüten oder Früchten. Und das bedeutet, dass auch nur wenige Tiere hier leben. Was wir allerdings zu sehen bekommen, sind wunderschöne Schmetterlinge mit transparenten Flügeln – filigrane Geschöpfe, die uns bislang völlig unbekannt waren!

Feingliedrig: Schmetterlinge mit transparenten Flügeln
Feingliedrig: Schmetterlinge mit transparenten Flügeln

Die Besonderheit des Amboró-Nationalparks ist seine Lage in einer Grenzregion dreier südamerikanischer Großlandschaften. Die Cordillera Oriental bildet den Ausläufer der Anden, die sich ein Stück westwärts von Samaipata als gewaltige Hochgebirgswand vor dem Pazifik aufbauen. Nach Nordosten fließen die Flüsse ins halb Brasilien bedeckende Amazonas-Tiefland mit seiner üppigen, wasserreichen Vegetation ab. Und von Südosten schließlich reicht der Chaco bis in die Region; ein von trockenem Buschwald geprägtes Flachland, dessen Zentrum im nordwestlichen Paraguay liegt. So finden sich hier typische Pflanzenarten aller drei Regionen; besonders auffällig sind jedoch die mehrere Meter hohen Farnbäume, die sich in dieser Bergregion in vielen hundert Jahren (sie wachsen nur fünf Millimeter jährlich) zu imposanter Größe aufgeschwungen haben.

Üppig grüner Nebelwald im Amboró-Nationalpark
Üppig grüner Nebelwald im Amboró-Nationalpark

Unser Wanderweg führt stetig bergauf und bergab; mal herrscht lichter Strauchwald vor, dann wieder ist das Grün dicht und dunkel, insbesondere dort, wo kleine Wasserläufe aus den bröseligen Sandsteinfelsen hervorquellen. An diesen Stellen kann der Weg auch mal schlammig und glitschig werden, und wir müssen schon genau aufpassen, wohin wir treten, um nicht wegzurutschen.

Unterwegs im dichten Wald...
Unterwegs im dichten Wald…

Einige Male bieten Lichtungen weite Ausblicke in das kaum besiedelte, dicht bewaldete Hügelland hier im Zentrum Boliviens.

Die Bergketten der Cordillera Oriental
Die Bergketten der Cordillera Oriental

Eine schöne Wanderung durch kaum berührte Natur, auch wenn unsere Führerin ihre anfänglichen Erklärungen immer mehr einschränkt. Zum Smalltalk mit den Touristen fehlt ihr aufgrund ihres Alters vielleicht auch noch die Souveränität…

Der Pfad führt durch den Farnwald...
Der Pfad führt durch den Farnwald…

Unser Sonntagsausflug beginnt mit einem Spaziergang zum örtlichen Museum von Samaipata. Dort werden informative Karten, ausgegrabenes Kunsthandwerk und ein Film gezeigt, die uns bereits auf das eigentliche Ziel einstimmen sollen – das sogenannte „Fuerte“, also Fort von Samaipata, das in Wirklichkeit neun Kilometer östlich der kleinen Stadt auf einem Bergrücken in einer Höhe von etwa 1.950 Metern liegt.

Weiter Blick vom Fuerte in Richtung Samaipata
Weiter Blick vom Fuerte in Richtung Samaipata

Wir hatten gedacht, man könne zumindest den Rückweg zu Fuß zurücklegen – doch da haben wir etwas falsch verstanden: Es gibt nur die Teerstraße, wir müssen also wohl oder übel beide Strecken mit dem Taxi bewältigen. Der Fahrer wartet aber zwei Stunden am Parkplatz, bis wir das weitläufige Gelände gründlich besichtigt haben. Wer beim Namen „Fuerte“ an eine von starken Wehrmauern umgebene Befestigungsanlage denkt, liegt allerdings falsch. Zwar finden sich aus spanischer und auch aus Inka-Zeit massive Steinmauern, die durchaus auch der Verteidigung gedient haben mögen, doch die besondere Bedeutung des Ortes liegt darin begründet, dass der zentrale, 220 x 65 Meter umfassende Felsen, um den herum Wohn-, Wirtschafts- und Verwaltungsgebäude errichtet wurden, mit zahllosen Gravuren versehen ist.

Der zentrale Felsen ist mit zahlreichen Gravuren versehen
Der zentrale Felsen ist mit zahlreichen Gravuren versehen

Diese stellen zum Teil Tiere dar, zum Beispiel einen Jaguar, einen Puma und eine Schlange.

Mit viel Fantasie lässt sich hier ein Jaguar erkennen
Mit viel Fantasie lässt sich hier ein Jaguar erkennen

An den Flanken des Berges finden sich aber auch eine ganze Reihe von Felsnischen, die den Inka-Priestern als Kultplätze dienten.

Die Felsnischen waren Kultstätten der Inka-Priester
Die Felsnischen waren Kultstätten der Inka-Priester

Am Rande der Anlage, versteckt im üppigen Wald, befindet sich ein absolut ungelöstes Rätsel – ein etwa 16 Meter tief in den felsigen Untergrund getriebenes, im Durchmesser 1,40 Meter breites Loch namens Chinkana. Sollte es bei einer möglichen Belagerung als Fluchttunnel vor Feinden dienen? Schwer vorstellbar… War es als Richtplatz für Verurteilte gedacht? Die Spekulationen schießen ins Kraut.

Geheimnisumwittertes prähistorisches Loch: Chinkana
Geheimnisumwittertes prähistorisches Loch: Chinkana

Gesichert ist mittlerweile aber, dass das Fuerte seit etwa 400 n. Chr. besiedelt war und von verschiedenen Kulturen, zuletzt von den aus dem Tiefland stammenden Guarani, in Besitz genommen wurde, ehe auch hier – wie wir es schon an zahlreichen anderen Orten erfahren haben – die Inka und anschließend die Spanier im Zuge ihrer Eroberungen die neuen Herren wurden. Die große geschichtliche Bedeutung des Fuerte hat auch die UNESCO erkannt: Seit 1998 schon ist diese archäologische Stätte Weltkulturerbe.

Die Mauerreste stammen von den Inka und den Spaniern
Die Mauerreste stammen von den Inka und den Spaniern