Santiago.

Am Samstag geht unser erster, zweieinhalb Wochen dauernder Aufenthalt in Argentinien zu Ende. Von Mendoza aus fahren wir mit dem Bus in Richtung chilenische Grenze. Und das heißt wieder einmal den Andenhauptkamm zu überqueren. Durch schroffe Berglandschaften mit leuchtend blauen Seen, reißenden Flüssen, die von den mitgeführten Sedimenten rotbraun gefärbt sind, und schneebedeckten Gipfeln fahren wir in Richtung Paso de la Cumbre.

In den argentinischen Anden...
In den argentinischen Anden…
...gibt's schöne Landschaften zu sehen
…gibt’s schöne Landschaften zu sehen

Kurz vor der auf 3.834 Metern gelegenen Passhöhe müssen wir uns in Geduld üben: Weil ein Lastwagen verunglückt ist, geht fast eine Stunde lang überhaupt nichts vorwärts. Erst dann erreichen wir den bereits auf chilenischem Gebiet liegenden Grenzübergang „Los Libertadores“. Und dort verstreicht eine weitere Stunde mit Anstehen bei der Passkontrolle und Warten beim Zoll, der alle Gepäckstücke penibel auf mitgeführte Lebensmittel durchleuchtet. Da findet aber auch der Spürhund nichts… dafür muss ein Musiker mit den Beamten verhandeln, weil er sein Instrument nicht gesondert deklariert hat. Das fällt nämlich nicht unter „übliches Reisegepäck“!

Wieder in Chile: Grenzübergang "Los Libertadores"
Wieder in Chile: Grenzübergang „Los Libertadores“

Schließlich ist es dann doch soweit, und wir dürfen die Fahrt fortsetzen. Über zahllose Serpentinen schlängelt sich der Bus talwärts und nimmt Kurs auf die chilenische Hauptstadt Santiago, in der wir nach fast acht Stunden am Spätnachmittag ankommen.

Zahllose Serpentinen führen bergab...
Zahllose Serpentinen führen bergab…

Ein Taxi bringt uns vom überfüllten, hektischen Terminal Süd ins Stadtzentrum, wo wir ein Apartment bei „Lourdes Propiedades“, gleich neben dem palastartigen Museum der Schönen Künste, gebucht haben.

In unserer Nachbarschaft: Das Museum der Schönen Künste
In unserer Nachbarschaft: Das Museum der Schönen Künste

Die Ankunft gleicht einem Déjà-vu: Wie in Mendoza stehen wir vor einem Hochhaus, werden von einem Portier im Erdgeschoss empfangen (der uns hier auch gleich den Schlüssel aushändigt) und fahren mit dem Aufzug in den neunten Stock. Wir öffnen die Tür – und freuen uns über eine geschmackvoll, modern eingerichtete kleine Wohnung, in der wir leider nur eine Nacht bleiben werden. Wir sind zwar noch zwei Nächte im gleichen Haus, aber ab morgen sind wir zu viert! Unsere Tochter Denise und ihr Freund Peter werden uns besuchen, und deswegen brauchen wir dann ein etwas größeres Apartment.

Sehr schönes Apartment "Lourdes Propiedades"
Sehr schönes Apartment „Lourdes Propiedades“

Nur: Kommen die beiden auch wirklich wie geplant am Sonntagmorgen an? Als wir in Santiago wieder online sind, erfahren wir, dass ihr planmäßiger Flug von Stockholm – die beiden leben ja in Schweden – nach London gestrichen wurde, weil am Flughafen Heathrow dichter Nebel herrscht. Und damit sind auch die Anschlussflüge weiter nach Madrid und dann hierher weg! Nach und nach klärt sich die Situation zum Glück: Die zwei wurden auf Air France umgebucht, sind nach Paris geflogen und haben von dort aus eine direkte Verbindung nach Santiago. Also können wir wie geplant am Sonntagmorgen zum „Aeropuerto Internacional Comodoro Arturo Merino Benítez“ hinausfahren und die zwei Weitgereisten kurz nach zehn Uhr in Empfang nehmen. Eine Riesenfreude, so ein Wiedersehen an einem ganz anderen Fleck der Welt!

Da kommen sie!
Da kommen sie!

Mit Bus und Metro geht es zu viert zurück in das Apartment – ja, mit der Metro! Santiago ist der erste Ort auf unserer nun schon mehr als vier Monate währenden Reise, in der es dieses für Großstädte so wichtige und bequeme Verkehrsmittel gibt.

Premiere in Südamerika: eine Metro
Premiere in Südamerika: eine Metro

Nach der langen Reise wollen sich Denise und Peter verständlicherweise erst einmal ein bisschen ausruhen, bevor wir uns daran machen, die gut 500 Meter hoch gelegene, in einem Talkessel zwischen Andenhauptkamm und Küstenkordillere gelegene Sechseinhalb-Millionen-Einwohner-Stadt zu erkunden. Von unserer Unterkunft ist es nicht weit zur Plaza de Armas, dem Hauptplatz der Stadt. Hier finden sich eine ganze Reihe prachtvoller Bauwerke, angefangen bei der barocken Kathedrale aus dem 18. Jahrhundert über die Hauptpost bis zum Palacio de la Real Audiencia, in dem das Historische Museum Chiles untergebracht ist.

Santiagos Catedral Metropolitana an der Plaza de Armas
Santiagos Catedral Metropolitana an der Plaza de Armas
Hauptpostamt und Palacio de la Real Audiencia
Hauptpostamt und Palacio de la Real Audiencia

In der Fußgängerzone ist auch am Sonntagnachmittag ordentlich was los. Viele Läden haben geöffnet, die Leute bummeln durch die schattigen, begrünten Straßen und genießen den warmen Sommertag oder schauen diversen Straßenkünstlern bei ihren Darbietungen zu.

Viel Leben in der Innenstadt...
Viel Leben in der Innenstadt…
Eine Rhythmusgruppe sorgt für Stimmung
Eine Rhythmusgruppe sorgt für Stimmung

Wir erreichen vorbei an einer Reihe von schön gestalteten Stadthäusern die mehrspurige Hauptverkehrsachse Avenida Libertador Bernardo O’Higgins. Hier zeigt sich Santiago mit zahlreichen Hochhäusern von seiner modernen, weltstädtischen Seite, hier befindet sich im Palacio „La Moneda“ aber auch der Sitz des chilenischen Staatspräsidenten.

Santiagos moderne Seite
Santiagos moderne Seite

Schön ist auch die Plaza de la Constitución auf der anderen Seite des Präsidentenpalastes mit einer ganzen Reihe von Flaggen, die in einem Halbrund vor der „Moneda“ aufgereiht sind.

Präsidentenpalast von der Plaza de la Constitución
Präsidentenpalast von der Plaza de la Constitución

Am Montagvormittag setzen wir unsere Stadterkundung in Santiago mit einem Besuch auf dem Cerro Santa Lucia fort. Was sich nach einem Berg anhört, ist in Wirklichkeit ein kleiner Hügel am Rande der Innenstadt, von uns zu Fuß in nicht mehr als zehn Minuten erreichbar.

Die Treppen führen hinauf zum Cerro Santa Lucia
Die Treppen führen hinauf zum Cerro Santa Lucia

In spanischer Kolonialzeit wurden hier oben, in strategisch günstiger Lage, Verteidigungsanlagen errichtet, die später geschleift wurden. Doch schon im 19. Jahrhundert entwickelte man einen Verschönerungsplan für Santiago, im Zuge dessen Parkanlagen, ein Schlösschen und ein Aussichtspunkt geschaffen wurden – heute ein beliebter Naherholungsort im Stadtzentrum mit malerischen Panoramen.

Großstadtsilhouette...
Großstadtsilhouette…

Im Norden wird Santiagos Innenstadt vom Río Mapocho begrenzt – einem rotbraunen, reißenden Gebirgsfluss, der trotz des begradigten Flusslaufs nichts von seiner Wildheit eingebüßt hat.

Reißender rotbrauner Río Mapocho
Reißender rotbrauner Río Mapocho

Ihn entlang ziehen sich weitläufige Grünanlagen, die gerade an einem heißen Tag wie heute, die Temperaturen steigen auf über 30 Grad an, sehr wohltuend sind.

Schattige Parkanlagen säumen den Fluss
Schattige Parkanlagen säumen den Fluss

Direkt am Fluss gelegen, daher auch sein Name, ist der ehemalige Bahnhof Mapocho. Die elegante Konstruktion aus Stahl und Glas, 1913 für den Zugbetrieb eröffnet, wurde der Bahnhof 1987 offiziell stillgelegt.

Der ehemalige Bahnhof Mapocho...
Der ehemalige Bahnhof Mapocho…
...ist heute ein Kulturzentrum
…ist heute ein Kulturzentrum

Da das Bauwerk seinerzeit aber bereits als nationales Kulturdenkmal eingestuft war, wurde nach einem neuen Verwendungszweck gesucht und dieser schließlich mit der Umwandlung in ein äußerst stilvolles Kulturzentrum, in dem heute Konzerte, Messen, Ausstellungen oder Kongresse stattfinden, auch gefunden. Am Montagmittag ist es hier sehr ruhig und angenehm – genau der richtige Ort, um ein wenig zu rasten und in einem Café ein kühles Getränk zu genießen.

Mit der Metro fahren wir anschließend ins Barrío Brasil: ein ruhiges Vorstadtviertel mit vielen etwas schäbig gewordenen historischen Häuserreihen, die aber von Straßenkünstlern teils recht ansprechend und originell bunt bemalt wurden, und der wirklich wunderschönen Iglesia Santa Cecilia.

Barrío Brasil: Bunt bemalte Hausfassaden...
Barrío Brasil: Bunt bemalte Hausfassaden…
...und prachtvolle Kirche Santa Cecilia
…und prachtvolle Kirche Santa Cecilia

Die nachmittägliche Hitze veranlasst uns dazu, eine Siesta einzulegen. Als die Temperaturen allmählich etwas angenehmer werden, starten wir zu einer Exkursion in das nördlich des Mapocho gelegene Stadviertel Bellavista. Dort gelangen wir mit einer Standseilbahn in wenigen Minuten auf den Cerro San Cristóbal. Die 880 Meter hohe Erhebung bietet ein noch besseres Panorama der riesigen Metropole Santiago und seines von hohen Bergen umgebenen Umlandes.

Mit der Standseilbahn fahren wir auf den Cerro San Cristóbal
Mit der Standseilbahn fahren wir auf den Cerro San Cristóbal
Hier oben ergeben sich tolle Ausblicke...
Hier oben ergeben sich tolle Ausblicke…
...auf die chilenische Metropole
…auf die im Dunst liegende chilenische Metropole

Außerdem befindet sich dort oben eine 22 Meter hohe Statue der Jungfrau Maria und eine Art Freiluftkirche, in der regelmäßig Messen abgehalten werden – 1987 war hier sogar der damalige Papst Johannes Paul II. zu Besuch.

Ganz oben wacht die Gottesmutter über die Stadt
Ganz oben wacht die Gottesmutter über die Stadt

Wir nehmen die letzte Standseilbahn um 19.45 Uhr für die Talfahrt und lassen den lauen Sommerabend in einem der zahlreichen Straßenlokale, die es in dem hippen Szeneviertel Bellavista gibt, gemütlich ausklingen. Tja, in Santiago könnte man es durchaus länger aushalten…

Tagesausklang im Ausgehviertel Bellavista
Tagesausklang im Ausgehviertel Bellavista