Valparaíso.

In Santiago ist es unkompliziert, sich fortzubewegen: Mit der Metro, die von unserer Unterkunft aus gleich um die Ecke zu erreichen ist, fahren wir hinaus zur Haltestelle Pajaritos. Dort befindet sich auch ein Busbahnhof: Wir kaufen Tickets nach Valparaíso – Busse dorthin fahren im Viertelstundentakt – und sind eineinhalb Stunden später bereits in der Hafenstadt angekommen. Ein Taxi bringt uns zum „Ostello Valparaíso“, einem kleinen Hostel gleich gegenüber dem „Museo Naval y Marítimo de Chile“ auf dem Cerro Artillería, dem ältesten Viertel der Stadt.

Meeres- und Marinemuseum auf dem Cerro Artillería
Meeres- und Marinemuseum auf dem Cerro Artillería

Hier stehen wir erst einmal vor verschlossenen Türen. Klingeln hilft nicht, und auch unter den angegebenen Telefonnummern ist kein Mensch zu erreichen. Was nun? Doch keine Bange, wir sind in Südamerika: Hilfe naht sofort. Eine Passantin bemerkt uns, informiert einen benachbarten Hostelbesitzer, und der hat einen Ersatzschlüssel für das Haus.

Hübsches "Ostello Valparaíso"
Hübsches „Ostello Valparaíso“

Jetzt haben wir den Kopf frei, um uns unsere Umgebung genauer anzusehen. Und sofort sind wir von der ganz besonderen Atmosphäre Valparaísos begeistert. Vom Cerro Artillería, dem ältesten Teil des schon 1544 gegründeten Ortes, haben wir einen herrlichen Blick auf die weite, halbkreisförmige Bucht, um die herum sich das Häusermeer der 280.000-Einwohner-Stadt die steilen Hänge hinaufzieht.

Aussichtsplattform auf dem Cerro Artillería
Aussichtsplattform auf dem Cerro Artillería

Die Hafenanlagen nehmen eine große Fläche ein – Valparaíso ist einer der bedeutendsten Häfen Chiles. Unzählige Container, nicht wenige davon mit der Aufschrift „Hamburg Süd“, stapeln sich auf dem Areal und warten darauf, dass sie von den Trucks weitertransportiert werden. Heute tut sich da wohl eher wenig: Bei unserer Taxifahrt durch die Stadt kam uns ein langer Protestzug von hupenden LKWs entgegen – sie demonstrierten nach Auskunft des Chauffeurs gegen die zu hohen Steuern.

Bucht von Valparaíso mit den Hafenanlagen
Bucht von Valparaíso mit den Hafenanlagen

Nachmittags starten wir zu einem Stadtbummel – und der führt zunächst über steile, schmale Treppen bergab, direkt parallel zu einer der zahlreichen altehrwürdigen Standseilbahnen, die in Valparaíso gleichzeitig Verkehrsmittel und Touristenattraktionen sind.

Steile Wege führen hinunter zum Hafen
Steile Wege führen hinunter zum Hafen

Bereits hier ist unübersehbar, was „Valpo“ eine so einzigartige Atmosphäre verleiht und sicher einen Teil dazu beitrug, dass die gesamte Innenstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde: Unzählige bunte Wandmalereien von oft hoher künstlerischer Qualität begleiten uns in den nächsten Stunden und verleiten noch mehr als anderswo zum Schauen, Staunen und Fotografieren.

Typisch "Valpo": bunte Häuser und Wandmalereien
Typisch „Valpo“: bunte Häuser und Wandmalereien

Natürlich gibt es auch in Valparaíso repräsentative Plätze: Über die Plaza Echaurren erreichen wir die große Plaza Sotomayor, an der die Flottenkommandantur und ein Heldendenkmal die auffälligsten Bauwerke sind.

Plaza Echaurren...
Plaza Echaurren…
...und die Plaza Sotomayor mit dem Heldendenkmal...
…und die Plaza Sotomayor mit dem Heldendenkmal…
...und dem neoklassizistischen Edificio Armada de Chile
…und dem neoklassizistischen Edificio Armada de Chile

Hier befindet sich aber auch die Generaldirektion der Feuerwehr – und wir sind nicht wenig überrascht, als wir feststellen, dass auf einem vor dem Gebäude abgestellten Fahrzeug der deutsche Schriftzug „Feuerwehr“ und ebenfalls auf Deutsch „Stadt Valparaíso“ aufgedruckt ist! Des Rätsels Lösung: Die hier stationierte Feuerwehrkompanie trägt seit jeher den Namen „Bomba Germania“.

Deutschsprachige Feuerwehr in Valparaíso
Deutschsprachige Feuerwehr in Valparaíso

Am unteren Ende der Plaza Sotomayor gelangen wir an die Muelle Prat – dieser Teil des Hafens ist zur Flaniermeile für Touristen umgestaltet worden, von hier fahren auch Boote ab, die Hafenrundfahrten anbieten.

An der Muelle Prat
An der Muelle Prat

Eine Bootstour haben wir heute nicht vor: Wir laufen stattdessen hoch zum Ascensor „El Peral“, einer der 15 Standseilbahnen. Ratternd und scheppernd bringt uns das historische Stück aus dem Jahre 1902 hinauf zum Cerro Alegre.

Historische Standseilbahn El Peral
Historische Standseilbahn El Peral

Tolle Aussichten und stilvolle Villen – allen voran der zum Museum der Schönen Künste umgewandelte, genau 100 Jahre alte Palacio Baburizza – erwarten uns hier oben.

Der Palacio Baburizza ist heute ein Kunstmuseum
Der Palacio Baburizza ist heute ein Kunstmuseum
Auch auf der Straße gibt's Kunst: Lateinamerikanische Schnulzen mit viel Pathos in der Stimme...
Auch auf der Straße gibt’s Kunst: Lateinamerikanische Schnulzen mit viel Pathos in der Stimme…

Anschließend bummeln wir durch die engen, gewundenen Strässchen der Oberstadt (Valparaíso hat aufgrund seiner Topographie im Unterschied zu allen anderen Städten keinen schachbrettartigen Grundriss) und sind einfach nur hingerissen von den phantasievollen, farbenprächtigen Wandbildern, die uns hier überall begleiten. Man könnte stundenlang so weiterlaufen und sich in dem Gassengewirr verlieren!

In den Gassen der Altstadt...
In den Gassen der Altstadt…
...gibt's zahllose wunderbare Fotomotive
…gibt’s zahllose wunderbare Fotomotive

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

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..und es kommen immer noch neue dazu!
..und es kommen immer noch neue dazu!

Kein Wunder, dass Valparaíso als Chiles kulturelle Hauptstadt gilt. Der besondere Rang der Stadt, eigentlich nur die fünftgrößte des Landes, wird auch daran deutlich, dass hier der Nationalkongress seit 1990 seinen Sitz hat.

Chiles Nationalkongress
Chiles Nationalkongress

Nicht unwesentlich zum Status Valparaísos beigetragen hat auch Nationaldichter Pablo Neruda. Der 1971 mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnete Schriftsteller, der schon immer ein Faible für die Hafenstadt hatte, bezog um 1960 ein hoch über der Altstadt gelegenes mehrstöckiges Haus mit traumhaftem Blick hinunter aufs Meer. 1973 starb der linksgerichtete Intellektuelle, der für sein Land auch mehrere Botschafterposten im Ausland bekleidete, nur wenige Tage nach dem Militärputsch gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Salvador Allende – ob eines natürlichen Todes oder als Opfer eines Giftanschlags, ist bis heute nicht zweifelsfrei geklärt.

Blick aus Pablo Nerudas Schlafzimmer
Blick aus Pablo Nerudas Schlafzimmer

Sein Haus „La Sebastiana“ wurde damals von den Schergen des neuen Machthabers Augusto Pinochet verwüstet; doch nach dem Ende der Diktatur wurde das Gebäude auf Initiative einer noch von Nerudas Witwe ins Leben gerufenen Stiftung restauriert und ist nun schon seit 20 Jahren ein höchst informatives und anschauliches Museum, das vor allem über das Leben und die Sammelleidenschaft Nerudas Zeugnis gibt.

Nerudas ehemaliges Wohnhaus La Sebastiana
Nerudas ehemaliges Wohnhaus La Sebastiana

Sehr beeindruckt verlassen wir La Sebastiana und nehmen einen Stadtbus, der uns in die kaum zehn Kilometer entfernte Nachbarstadt Viña del Mar bringt. Ein größerer Kontrast ist kaum vorstellbar: Hier die bunte, außergewöhnliche, etwas chaotische Hafenstadt Valparaíso, dort der – nach der Einwohnerzahl sogar etwas größere – moderne Badeort mit Sandstrand, breiten palmengesäumten Alleen, Hochhäusern und einem Spielcasino.

Palmengesäumte Alleen in Viña del Mar
Palmengesäumte Alleen in Viña del Mar

An der zentralen Plaza Vergara, an der unter anderem das Stadttheater und das hübsche Kirchlein „Nuestra Señora de Dolores“ stehen, erleben wir die beeindruckende Performance einer vielköpfigen Rhythmusgruppe.

Tolle Performance...
Tolle Performance…
...auf der Plaza Vergara
…auf der Plaza Vergara

Und unweit des Casinos, mit Blick auf die Muelle Vergara, finden wir an diesem warmen, sonnigen Nachmittag einen schönen Sandstrand, an dem wir – bei allerdings noch recht frischen Wassertemperaturen – den Sommeranfang auf der Südhalbkugel genießen können. Erst einmal die letzte Bademöglichkeit, denn morgen steht bereits die Weiterreise nach Patagonien auf dem Programm!

Badestrand von Viña del Mar
Badestrand von Viña del Mar
Badespaß im Pazifik
Badespaß im Pazifik