Land und Leute

Wenn wir wieder einmal an Uruguay zurückdenken, kommen uns wahrscheinlich Begriffe wie große Hitze, gutes Grillfleisch, Kühe und Pferde ohne Ende, Klappstuhl, Mate, traumhafte Sonnenuntergänge und tolle Strände in den Sinn.

Ja, das alles passt zu Uruguay. Ein Land, das halb so groß ist wie Deutschland, in dem aber nur ca. drei Millionen Menschen leben, dafür mindestens dreimal so viele Kühe, Pferde und Schafe. Bei unseren Fahrten durch Uruguay dachte ich oft an den uralten Schlager des Schweizer Sängers Peter Hinnen (und sang): 7000 Rinder, Kinder, Kinder, Kinder, im Sommer und im Winter, immerzu lauter Ochs‘, lauter Kuh‘. Die Uruguayer selbst beschreiben ihr Land als Haus mit Garten: Das Haus ist dabei die Hauptstadt Montevideo, in der fast die Hälfte der Bevölkerung wohnt (1,5 Millionen) und der Garten ist das unendliche, hügelige, grüne Hinterland, die Pampa.

Das Pampas-Gras ist wohl danach benannt

Die Uruguayer sind sehr gemütlich, freundlich, manchmal auch fast schon ein bisschen gleichgültig, wie uns vorkam. Hier vor allem, was das Essen (sehr ungesund!) und die Folge davon – ihr Aussehen (viel Fett!) betrifft. Und das versteckt man nicht etwa unter passender Kleidung! Ein Beobachtung, die wir am Strand machten, war so typisch für Uruguay: Ein kleiner Junge kauft sich ein Chivito (siehe unten) und das erste, was er macht – er zieht das Salatblatt heraus und wirft es in den Müll.

Typische Uruguayer

Sah man in Argentinien hin und wieder Leute mit Mate-Bechern, so ist es in Uruguay jeder Zweite, der mit einer Thermoskanne unterm Arm und dem Kultgetränk in der Hand herumläuft. Dementsprechend ist der Handel darauf eingestellt.

Yerba Mate nimmt ganze Regale in Anspruch
Auch die Thermoskannen-Industrie ist gefordert
Heißwasserautomat an einer Tankstelle zum Auffüllen der Thermoskannen

Außer dem Genuss des Mate-Getränks, das übrigens leicht nach Tabak schmeckt, konsumieren viele junge Leute Marihuana. Die Regierung hat 2104 ein Gesetz erlassen (das erste weltweit), das den staatlich kontrollierten Cannabis-Anbau und -handel legalisiert. Sie erhofft sich dadurch eine effizientere Bekämpfung der Drogenkartelle.

Im Allgemeinen ist der Lebensstandard, ähnlich wie in Argentinien und Chile, relativ hoch. Das spiegelt sich aber auch in den Lebenshaltungskosten wider. Für uns war Uruguay bisher das teuerste Land, vor allem was Unterkünfte, Busfahrten und Essen betrifft. Für einen Liter Benzin muss man stolze 1,50 € hinblättern! Was jedoch für uns Ausländer eine positive Überraschung war: Bei Restaurantbesuchen gibt’s bei Bezahlung der Rechnung mit ausländischer Kreditkarte 18,03 %  Rabatt. Das macht natürlich einiges aus und gab’s bisher in keinem anderen Land!

In vielen, aber nicht in allen Restaurants möglich

Ein Kuriosum waren für uns die Taxis in Montevideo. Als Gast ist man auf der Rücksitzbank durch eine Wand, die von oben bis unten reicht und natürlich die Beinfreiheit einschränkt, vom Fahrer getrennt. Das Geld legt man in eine Art Aschenbecher, der in der Scheibe angebracht ist und klappt diese zum Fahrer um. Ein komisches Gefühl, so eine Taxifahrt! Es wird aber Gründe für diesen Sicherheitseinbau geben, obwohl wir da in Südamerika schon in wesentlich gefährlicheren Hauptstädten unterwegs waren.

Getrennt vom Taxifahrer
In diese Schale legt man das Geld und bekommt so auch das Rückgeld

Die uruguayischen Hauptstraßen sind im Allgemeinen sehr gut, aber viele Nebenstraßen ähneln Feldwegen oder Schotterpisten. Was jedoch die Fußwege angeht, sind diese, wie überall in Südamerika, Stolperfallen und keineswegs rollstuhl- oder kinderwagengeeignet.

Augen immer nach unten richten beim Laufen!
Manchmal sind auch die Wurzeln Schuld

Landestypische Speisen und Getränke

Einen Kochkurs in Uruguay zu belegen, wäre wahrscheinlich nicht möglich, sondern er würde eher Grillkurs heißen. Die Uruguayer grillen für ihr Leben gern! Und das Fleisch, das sie grillen (meist Rindfleisch), ist richtig gut. Außerdem sind sie wahre Experten im Grillen!

In jedem Restaurant zu finden – die Grillmeister

Somit ist die Parrillada das typischste aller Gerichte und besteht aus Bergen von Fleisch (Steak, Rippchen), herzhaften Würsten und allen möglichen Innereien wie Mollejas (Thymusdrüse vom Rind), Chinchulines (Dünndarmstücke) und Riñones (Nierchen).

Typische Parrillada

Man kann die Fleischstücke oder die Wurst natürlich auch einzeln bestellen. Meist gibt es Pommes dazu.

Chorizo (aus Rindfleisch und Gewürzen) und Morcilla (Blutwurst – herzhaft oder süß mit Rosinen, Walnuss und Apfelstücken)
Entrecote (Rumpsteak)
Brochette – Fleischspieß mit Paprika und Zwiebeln

Die Leute hier lieben Fastfood.

Dazu zählt in Uruguay das sehr beliebte Chivito. Das gibt es entweder im Brötchen oder al plato (auf dem Teller ohne Brötchen). Es besteht aus einem Berg Pommes, darüber ein dünnes Steak belegt mit Schinken und Spiegelei, einem Salatblatt, Tomate und viel Mayonnaise und Ketchup.

Sehr beliebt und eine Kalorienbombe – Chivito

Ebenfalls aus der schnellen Küche und auf der Speisekarte unter der Rubrik Minutas zu finden sind Churrasco und Milanesa.

Churrasco – ein dünnes Rindersteak
Milanesa – ein paniertes Rindersteak – hier die Variante Napolitana mit Schinken und Käse überbacken

Vegetarier haben es also in Uruguay sehr schwer! Und wir haben uns sehr auf unsere zwei Urlaubswochen gefreut, in denen wir mal wieder selber kochen konnten. Nicht schwer zu erraten, was es da nicht gab…

Getrunken wird in Uruguay vor allem viel Cola, Fanta, Sprite etc. Aber auch ein Bier genehmigen sich die Leute hier gern. Das gibt’s meist nur in 1-Liter-Flaschen und alle Biersorten kommen von der gleichen Brauerei. Sie heißen Patricia, Pilsen, Norteña und auch Zillertal. Bis auf das Zillertal, das uns am besten geschmeckt hat, ist es eine recht dünne Brühe.

Das beste Bier in Uruguay, wie wir finden

Aber auch der uruguayische Wein kann sich sehen lassen. Kürzlich haben wir auf einer Weinflasche ein Dekret entdeckt, in dem Wein zum Nationalgetränk Uruguays erklärt wurde.

Per Dekret zum Nationalgetränk erklärt
Guter uruguayischer Wein