Mexiko-Stadt.

Es würde zwar zum Datum passen, aber nein – es ist kein Aprilscherz! Wir sind seit heute Nachmittag in Mexiko! So eine Flugreise von mehr als 7.000 Kilometern plant man natürlich nicht mal schnell eben; der Gedanke entstand schon vor einiger Zeit und reifte, bis vor etwa einem Monat der definitive Entschluss fiel: Ja, wir machen das, wir ändern unsere Route! Der Hauptgrund dafür war, dass wir uns näher mit den Wetterbedingungen und den besten Reisezeiten für Brasilien beschäftigt haben. Im April und Mai, die Monate also, die wir für Südamerikas größtes Land eingeplant hatten, sind die Temperaturen zum einen in vielen Regionen sehr hoch; zudem kommt die Regenzeit hinzu, die Besuche gerade im Pantanal und im Amazonas-Gebiet erschwert. Dagegen ist der August eine perfekte Zeit fast fürs gesamte Land, vielleicht mit Ausnahme des äußersten Süden, in dem es dann winterlich kühl ist. Genau den haben wir aber auf unserer Tour ohnehin besucht, und was spricht dagegen, in späteren Jahren einmal einen Sommerurlaub in Brasilien zu verbringen? Vor haben wir das auf jeden Fall; allein schon die unglaubliche Gastfreundschaft in diesem Land, die wir in den wenigen Tagen dort erlebt haben, ist eine Rückkehr wert…

Und Mexiko? Ein hochinteressantes, äußerst vielfältiges Land, wie uns schon viele Reisebekannte berichtet haben. Aber im August herrscht hier eine enorme Hitze, an der Karibikküste hat zu der Zeit die Hurrikan-Saison bereits begonnen – da ist es doch wesentlich besser, im Frühjahr hierher zu kommen. Also: wenn nicht jetzt, wann dann?

Alles ist also seit Wochen gebucht; doch in der Nacht vor dem Abflug zweifeln wir ernsthaft, ob wir den Flug überhaupt antreten können. Wie schon berichtet: In Asunción eskaliert die Lage – Präsident Horacio Cortes hat mittels einer klammheimlich im Hinterzimmer einberufenen Senatssitzung, an der nur 25 von 45 Senatoren teilnahmen, versucht, eine Verfassungsänderung durchzupeitschen, die ihm im kommenden Jahr eine Wiederwahl erlauben würde. Viele Menschen werten das als Versuch, wieder eine Diktatur im Lande einzuführen. Die gab es schon jahrzehntelang: Von 1954 bis 1989 hatte der deutschstämmige Alfredo Stroessner die absolute Macht in seinen Händen. So etwas sollte nie wieder möglich sein – deswegen verbietet die seit 1992 geltende neue Verfassung, dass ein Präsident länger als eine Amtsperiode regieren darf. Und nun ist das Volk auf der Straße, zieht zum Parlament und schafft es tatsächlich trotz des massiven Polizeiaufgebots, dort einzudringen und das Gebäude in Brand zu stecken. Wir verfolgen am Fernseher mit, wie Reiterstaffeln versuchen, die Demonstranten von der Plaza de Armas zu verdrängen; wir sehen Live-Bilder von Verletzten, von Polizisten, die mit Hartgummigeschossen und Tränengas gegen die Aufständischen vorgehen; vor dem Lokal, in dem wir zu Abend essen, fahren Feuerwehreinheiten auf dem Weg in Richtung Parlament vorbei – das ist kaum mehr als einen Kilometer von uns entfernt… Und im Hotelzimmer hören wir bis weit nach Mitternacht immer wieder laute Schüsse, die nur ein paar Häuserblocks entfernt abgegeben werden. Wie wir mittlerweile wissen, ist der Führer der Jugendorganisation der oppositionellen Liberalen in dieser Nacht von der Polizei im Bürogebäude seiner Partei getötet wurden – und das befindet sich nicht weit von der Plaza Uruguaya, in deren Nähe auch unser Hotel Palmas del Sol steht.

Zum Schlafen kommen wir unter diesen Umständen kaum; außerdem läutet mitten in der Nacht um 2.30 Uhr ohnehin der Wecker, weil wir mit dem Hotel für 3 Uhr einen Shuttle-Service an den Flughafen vereinbart haben. Doch ist das zu verantworten? Rezeptionist und Fahrer meinen, es bestehe keine Gefahr mehr; tatsächlich, inzwischen ist es in Asunción ruhig geworden. So lassen wir uns durch erstaunlich wohlhabende Vororte mit Villen, noblen Autohäusern und protzigen Einkaufszentren in die direkt an Asunción angrenzende Nachbarstadt Luque fahren. Dort kommen wir zunächst am Sitz des südamerikanischen Fußballverbandes CONMEBOL vorbei und werden gleich dahinter am Aeropuerto Internacional Silvio Pettirossi abgesetzt. Und dort herrscht nachts um halb vier Uhr reger Betrieb (ein Nachtflugverbot gibt es in Paraguay offenkundig nicht) und Business as usual. Gepäckabgabe, Sicherheitscheck und Passkontrolle gehen wie gewohnt vonstatten – zum Glück! Hätte ja auch sein können, dass hier jetzt der Ausnahmezustand herrscht und jeder Passagier dreimal durchgefilzt wird, bevor er in ein Flugzeug einsteigen darf. Dann hätten wir möglicherweise ein echtes Problem mit unserem Anschlussflug bekommen…

Warten auf den Abflug: Gut, dass wir Paraguay jetzt verlassen

Doch die Boeing 737-800 der panamaischen Fluggesellschaft Copa Airlines hebt pünktlich im ersten Morgengrauen ab und befördert uns in den folgenden fünfeinhalb Stunden quer über den halben südamerikanischen Kontinent nach Panama-Stadt. Den Aeropuerto Internacional de Tocumen kennen wir noch von unserer Hinreise im August; damals waren wir von hier aus zu unserer letzten Etappe in Richtung Quito gestartet, jetzt sind wir nach über sieben Monaten zurück auf der Nordhalbkugel.

Zwischenaufenthalt am Flughafen von Panama

Eine Stunde Zwischenaufenthalt, dann hebt unser zweiter Flug ab – der ist mit dreieinhalb Stunden kürzer, zum Schluss aber recht ruckelig. Doch wir landen gut in Mexiko-Stadt und sind damit wieder im Hochland – der Flughafen liegt auf über 2.200 Metern Meereshöhe! Bis wir Pass- und Zollkontrolle hinter uns gebracht haben, vergeht noch geraume Zeit. Die Schlange an der Migración ist lang, und am Zoll hat Jana das Pech, nach dem Zufallsverfahren den gesamten Inhalt ihres Rucksacks präsentieren zu dürfen.

Angekommen! Wir stehen vor dem Flughafen von Mexiko-Stadt

Mit der Metro fahren wir anschließend, zweimaliges Umsteigen inbegriffen, mitten hinein in die Altstadt von Mexiko-Stadt. Dort haben wir über Airbnb eine Wohnung im sechsten Stock des denkmalgeschützten Beau-Art-Gebäudes Edificio Uruguay gemietet. Der Besitzer hat uns schon vorab geschrieben, dass er nicht persönlich anwesend ist; aber hier gibt es einen in schwarzem Anzug gekleideten Portier, der uns die Schlüssel aushändigt und – hier hat wirklich alles Stil! – gleichzeitig auch als Fahrstuhlführer fungiert. Mit einem hundert Jahre alten, herrlich antiken Aufzug befördert er uns bis vor die Tür und bittet uns abschließend: „Wenn Sie herunterfahren wollen, drücken Sie einfach auf den Knopf neben der Aufzugtür! Dann fahre ich nach oben und hole Sie ab!“

Fahrstuhl mit viel Tradition…
…im Edificio Uruguay

Die Wohnung, hier in Mexiko Condo genannt, ist wirklich wunderschön und modern eingerichtet. Wir haben alles, was wir uns wünschen können: Küche mit Kühlschrank, Waschmaschine, Bad, Schlafzimmer, Fernseher, Internet – und das gerade mal für 40 Euro pro Nacht; zudem bietet sich von unserem Küchenfenster ein toller Blick auf die Altstadtsilhouette einer der größten Städte der Welt. Hier lässt sich’s ohne Frage eine Woche aushalten!

So schön wohnen wir mitten in Mexiko-Stadt

Und als wir gegen Abend noch einmal hinunter auf die Avenida Uruguay gehen, stellen wir fest, dass es hier Restaurants ohne Ende gibt. In einem lassen wir uns gleich die erste Spezialität der mexikanischen Küche schmecken: Molcajete, ein in einem Topf aus Lavastein serviertes Gericht mit verschiedenen Fleischsorten, Käse, Gemüse und natürlich dem hier unausweichlichen Chili – lecker und ein prima Einstieg in einen ganz neuen Abschnitt unserer Reise!

Impression von der Avenida Uruguay
Molcajete – ein prima Einstieg in die mexikanische Küche