Tulum.

Dienstagmittag, kurz nach ein Uhr: Valladolid brütet in tropischer Hitze vor sich hin, als wir die gemütliche kleine Stadt und das wunderschöne Hotel Mesón del Marqués, in dem wir uns sehr wohl gefühlt haben, nach fünf Tagen wieder verlassen. Der Bus braucht nicht einmal zwei Stunden, um uns an unser nächstes Etappenziel zu bringen. Tulum, das 20.000-Einwohner-Städtchen an der Ostküste von Yucatán, hat einen nicht besonders attraktiven Ortskern: Er liegt ein Stück landeinwärts, wird der Länge nach von einer vierspurigen Schnellstraße durchschnitten und ist dementsprechend verkehrs- und lärmgeplagt.

Individuell eingerichteter Rezeptionsbereich…

Unsere Unterkunft, das Hostal Jardín de Frida (wieder einmal eine Hommage an Frida Kahlo), liegt zwar direkt an dieser Straße, doch da der Wohnbereich sich weit zurückgesetzt hinter dem Rezeptionsgebäude und einem wunderschönen schattigen Garten befindet, ist es hier dennoch sehr ruhig. Wir erhalten ein äußerst geräumiges Zimmer mit Balkon, von dem aus man direkt in den dichten Dschungel  blickt, der gleich hinter dem Haus beginnt.

…und geräumiges Zimmer im Hostal Jardín de Frida

Tulums Attraktionen befinden sich einige Kilometer vom Altort entfernt direkt am Meer. Um dorthin zu gelangen, ist es ohne eigenes Auto am einfachsten, die Dienste eines Taxis in Anspruch zu nehmen. Der Fahrer, den wir erwischen, bringt uns nicht an die langgestreckte, wohl sehr belebte Zona Hotelera, sondern an einen nördlich davon gelegenen Strandabschnitt, die wesentlich naturbelassenere Playa Esperanza.

Ruhiges Meer – die Wellen brechen weiter draußen am Riff

Doch auch hier sind die touristischen Grundeinrichtungen alle vorhanden. Sonnenschirme (fest installierte Holzpflöcke mit einem aus Palmenblättern geflochtenen Dach) und Liegen werden vermietet, und auch an Strandrestaurants fehlt es nicht. So verbringen wir hier einen geruhsamen Tag und suchen zwischenzeitlich Abkühlung im angenehmen Wasser der Karibik.

So lässt sich’s aushalten…

Einen benachbarten Küstenabschnitt, die Playa Pescadores, werden wir auch am darauffolgenden Tag aufsuchen. Doch Tulum hat mehr zu bieten als nur den Karibikstrand. Man könnte hier Cenoten besuchen oder einen Ausflug ins südlich der Stadt gelegene Biosphärenreservat Sian Ka’an unternehmen – Ähnliches haben wir aber gerade erst rund um Valladolid getan. Maya-Ruinen haben wir dort zwar auch schon besucht, aber die von Tulum erscheinen uns interessant genug, um an unserem zweiten Tag nach dem Frühstück mit einem Colectivo hinaus an den Rand der modernen Stadt zu fahren. Von dort laufen wir noch einige hundert Meter in Richtung Küste und haben dann eine der seltenen Beispiele von Ruinenstädten erreicht, die sich direkt am Meer befinden.

Geschichtsträchtige Ruinen unter heißer karibischer Sonne

Zamá hieß die an drei Seiten von einer Mauer umgebene Ansiedlung bei den Maya, was so viel wie Sonnenaufgang bedeutet – und tatsächlich liegt der Ort auf einer vielleicht zehn Meter hohen Klippe an der Ostküste, wo sich jeden Morgen die Sonne aus dem Meer erhebt. Im Vergleich zu Chichén Itzá oder Ek Balam sind die Bauwerke in Tulum recht bescheiden – dennoch ergibt ihre Vielzahl und die tolle Lage direkt am Meer ein wunderschönes Gesamtbild. Bedeutung hatte die kleine Stadt bei den Mayas als Hafenort, von dem aus mit südlicher gelegenen Siedlungen im heutigen Belize und Honduras Handel getrieben wurde.

Der Tempel der Winde thront hoch über dem Meer

Zentrales Bauwerk direkt an der Küste ist das sogenannte Castillo, das mit seinem mehrstöckigen Aufbau tatsächlich an eine mittelalterliche Burg erinnert. Daneben sind etwa der Tempel des Herabsteigenden Gottes mit dem Fries einer mit dem Kopf nach unten schwebenden Gottheit abgebildet ist, der Tempel des Windes oder eine Säulenhalle besonders bemerkenswerte Bauten.

Zentralbau von Tulum: El Castillo
Casa de las Columnas

Für die indigene Bevölkerung erlangte die Ruinenstadt übrigens im 19. Jahrhundert noch einmal besondere Bedeutung, denn sie wurde zu einem Zentrum des Widerstands gegen die mexikanische Regierung und war im Kastenkrieg, der in Valladolid nur eine kurze Episode blieb, über 50 Jahre lang in der Hand einer Maya-Gegenregierung, die sich in dieser Region im Osten von Yucatán bis Anfang des 20. Jahrhunderts ihre Unabhängigkeit bewahren konnte. Eine Priesterin hütete hier ein sogenanntes Sprechendes Kreuz, ein Heiligtum der Indigenen, in dem sich christliche und Maya-Traditionen vermischten.

Tulums Ruinen bieten malerische Kulissen

Ein Stück weiter, am Strand, haben wir ebenfalls noch etwas vor: Dort werden Bootstouren angeboten, die zunächst vom Meer aus zur Ruinenstadt führen, um den Blick auf sie auch von dieser Seite genießen zu können, ehe es dann ein Stück hinaus ans Korallenriff geht. Wir befinden uns hier an den nördlichen Ausläufern des Belize Barrier Riff – nach dem südlichen Nachbarstaat benannt, da der größte Teil des zweitgrößten Korallenriffs der Welt vor seinen Küsten liegt.

Blick vom Meer auf die Ruinenstadt

Hier haben wir die Möglichkeit zum Schnorcheln: Jana freut sich schon lange darauf, wieder einmal einen Blick in die Unterwasserwelt tun zu dürfen, und ich bereue es nicht, auch mit dabei zu sein, auch wenn dieser Wassersport wohl nicht mehr meine Lieblingsdisziplin werden wird. Es ist schon toll, was es hier alles zu sehen gibt: Neben den Korallen selbst sind es wieder einmal ganz viele tropisch bunte Fische. Und ganz besonders faszinieren uns die riesigen, sanft am Boden dahingleitenden Rochen und die Meeresschildkröten, deren Verwandte wir in den Gewässern rund um Galapagos gesehen haben.

Vor dem Belize Barrier Riff geht’s zum Schnorcheln

Danach bleibt noch genügend Zeit, um auch diesen Nachmittag wieder gemütlich, diesmal unter dem Schatten von Palmen, am wunderbar weichen weißen karibischen Sandstrand zu verbringen.

Herrlich weißer Sandstrand an der Playa Pescadores
Gemütlicher Nachmittag unter einer Palme…