Guadalajara.

Nach zweieinhalb Wochen auf der Halbinsel Yucatán wollen wir noch eine andere Region von Mexiko kennenlernen. Von der Isla Holbox aus kehren wir deswegen mit Fähre und Bus zurück nach Cancún, wo wir eine Nacht im sehr einfachen, aber günstigen Hostal Chichén Itzá verbringen. Ein weiterer Linienbus bringt uns am nächsten Morgen hinaus zum Aeropuerto Internacional de Cancún. Wir haben einen preiswerten Inlandsflug gebucht: Mit einem Airbus 320 der mexikanischen Gesellschaft Volaris überqueren wir den Golf von Mexiko westwärts. Über 1.700 Kilometer sind es in die zweitgrößte Stadt des Landes, Guadalajara. Dort mieten wir uns im Hostal Casa Vilasanta für vier Nächte ein. Die Stadt werden wir in einem eigenen Beitrag vorstellen; doch nun wollen wir erst einmal von unserem Ausflug erzählen, den wir am heutigen Samstag unternommen haben.

Letzter Blick auf die Karibikküste vor Cancún…
…und erster Eindruck vom Häusermeer Guadalajaras

Und der hatte einen Ort zum Ziel, den wir bisher nur als Name eines Getränks kannten: Tequila. Die weltweit bekannte mexikanische Spirituose ist nach dieser Kleinstadt benannt, die gut 60 Kilometer westlich von Guadalajara im Bundesstaat Jalisco liegt. Vormittags um zehn Uhr startet die Tour mit einem Kleinbus. Wir sind die einzigen Ausländer in der 15-köpfigen Gruppe. Mitreisende, der Fahrer und die Reiseleiterin sind sehr freundlich, das lässt sich gut an!

Unser erstes Ziel ist die Destillerie Tres Mujeres

Und es wird auch gut: Die erste Haltestelle ist nach etwa einer Stunde die Destillerie Tres Mujeres (Drei Frauen) in der Nähe des kleinen Ortes El Arenal, und hier werden wir zunächst in die Geheimnisse der Tequila-Produktion eingeweiht. Wir haben ja vor einigen Wochen von Oaxaca aus auch schon eine Mezcal-Destillerie besucht; deswegen ist uns nicht mehr alles neu, aber – Mezcal und Tequila sind nicht das Gleiche! Tequila wird nämlich ausschließlich aus dem Herzen der blauen Agave gewonnen, die das Landschaftsbild auf den Feldern ringsum bestimmt.

Die Agavenherzen…

Etwa acht Jahre muss die Pflanze wachsen, bis sie geerntet werden kann. Für den Brand verwendet wird allerdings nur das Agavenherz. Die Brennerei Tres Mujeres arbeitet nach überlieferter Handwerkstradition und gart die süße Masse zunächst 48 Stunden lang in Öfen, ehe aus ihr der Saft in drei Schritten herausgepresst wird.

…werden in diesen Öfen gegart

Anschließend wird dieser Sirup in große Tanks abgefüllt, in denen eine zweifache Destillation durchgeführt wird. Beim traditionellen Tequila geschieht dies ausschließlich mit dem fruchteigenen Zucker und einem Bakterium, während weniger hochwertige Qualitäten auch unter Zugabe von bis zu 49 Prozent Rohrzucker und von Gärhefe produziert werden.

In großen Kesseln…
…vergärt der Sirup…
…unter Zugabe eines Bakterienstammes

Das Ergebnis des Destillationsprozesses ist der junge, völlig klare Tequila, der im Spanischen als Blanco bezeichnet wird. Doch es gibt auch andere Sorten, abhängig vom Zeitraum der Lagerung in Eichenfässern. Reposado hat zwischen zwei und neun Monaten im Fass geruht, Añejo zwischen einem und drei Jahren und Extra Añejo mehr als drei Jahre. Während der Lagerung ändert sich deren Farbe in ein immer intensiveres Goldbraun. Eine fünfte in der Literatur erwähnte Sorte namens Oro, ein Verschnitt aus Blanco und Reposado mit Zuckerzusatz, gibt es hier nicht – diesen Fusel stellt ein qualitätsbewusstes Unternehmen wie dieses, das zudem Wert darauf legt, dass seine Produkte organico sind, gar nicht erst her!

Die vier Tequila-Sorten Blanco, Reposado, Añejo und Extra Añejo
Tequila-Probe in geschmackvollem Ambiente
Tequila dient auch der Hautpflege!

Und bei der Degustation dieser vier Tequila-Sorten wird uns schnell klar: Das, was in heimischen Supermärkten unter diesem Namen verkauft wird, ist mit dem hier Angebotenen in keinster Weise vergleichbar! Der übliche Tequila, den es in Deutschland gibt, ist der Blanco, und zwar industriell hergestellter mit dem oben erwähnten Rohrzucker-Anteil. Kein Wunder, dass dieses Zeug pur kaum trinkbar ist und nur für Cocktails verwendet wird. Das, was hier angeboten bekommen, schmeckt dagegen richtig gut! Beim Kauf eines echten Tequila sollte man also darauf achten, dass „100% Agave“ auf dem Etikett steht.

Abgesperrt und mit klassischer Musik beschallt: Extra Añjeo, die Flasche zu 1.300 Dollar
Auch eine Kapelle gibt es – mit Bänken in Fassoptik

So nehmen wir uns ein kleines Fläschchen von dem hochgeistigen Getränk mit und fahren anschließend weiter in die zweite Destillerie, die wir im Rahmen dieses Ausflugs besuchen. La Cofradia, am Stadtrand von Tequila an den Hängen des gleichnamigen Vulkans gelegen, gibt sich bedeutend vornehmer. Überdimensionale Eichenfässer auf dem Gelände sind Bestandteil eines Boutique-Hotels, in denen man für gutes Geld Urlaub machen kann.

Willkommen in Tequila!
An den Hängen des Vulkans Tequila
bietet die Destillerie Cofradia originelle Ferienhäuschen an

Auch die Brände sind in sehr edlen Fläschchen abgefüllt. Allerdings finden wir im Vergleich trotzdem die Erzeugnisse der Tres Mujeres geschmacklich besser – eine Einschätzung, die wohl auch unsere mexikanischen Reisefreunde teilen.

Exquisite Fläschchen…
…für ein ganz besonderes Tröpfchen

Und die Möglichkeit, in dem noblen Kellerrestaurant zum Mittagsbuffet einzukehren, stößt angesichts des Preises ebenfalls auf wenig Gegenliebe: Einstimmig entscheiden wir uns dafür, der angebotenen Alternative den Vorzug zu geben und uns ins Zentrum von Tequila bringen zu lassen. Dort haben wir zwei Stunden Zeit, und jeder kann selbst entscheiden, in welchem Lokal er einkehren möchte.

Auch im Kellerrestaurant geht es vornehm zu

Die auf etwa 1.200 Metern gelegene 42.000-Einwohner-Stadt wirkt äußerst sauber und gepflegt – die vielen Spirituosenhersteller haben den Ort wohlhabend gemacht. Wir laufen von der Iglesia Santiago Apostol an einer arkadengesäumten Fassade vorbei auf die Plaza Principal, an der sich das außen eher unauffällige Rathaus befindet – doch im Innenhof überrascht es mit einer großformatigen, modernen Wandmalerei, die Besonderheiten der Region darstellt.

Ein Trauerzug erreicht gerade die Iglesia Santiago Apostol
Riesiger Mangobaum auf der Plaza Principal
Großformatiges Wandgemälde im Innenhof des Rathauses
Stolz auf die Heimat: Die Region um Tequila ist Weltkulturerbe

In einem Restaurant, das uns von der Reiseführerin empfohlen wurde, essen wir nicht nur gut, sondern bekommen quasi als Beilage gleich auch noch Mariachi-Musik live geboten – diese typisch mexikanischen Blaskapellen haben in dieser Region ihren Ursprung.

In einem Restaurant an der Plaza…
…wird das Essen von Mariachi-Musik begleitet

Und anschließend bummeln wir noch gemütlich durch die Altstadtgassen. Der Schnaps, der den Namen der Stadt weltweit bekannt gemacht hat, ist allgegenwärtig im Straßenbild – auch im Zentrum gibt es Destillerien, jede große Marke wie Mundo Cuervo und Quinta Sauza hat offenbar ihr eigenes Lokal, und auf den Plätzen werden an Ständen Mixgetränke angeboten, natürlich auf der Basis der örtlichen Spezialität. Das, welches wir probieren, begeistert uns nicht gerade – immerhin dürfen wir die Tonbecher, in denen er serviert wurde, als Souvenirs mit auf die Rückreise nehmen.

Gepflegte Fußgängerzone
Tequila-Tour in einer rollenden Chili – auch das ist möglich
Salud! – Auf unsere mexikanischen Mitreisenden