Bamberg.

Der lange Zoigl-Abend wirkt nach: Wir kommen am nächsten Morgen um einiges später als vorher geplant von Windischeschenbach los. Doch gegen halb zwölf Uhr sind wir dann doch noch zu einer vernünftigen Zeit in Kulmbach und damit in Oberfranken. Die Kreisstadt am Weißen Main, in der 26.000 Einwohner leben, ist als Bierstadt bekannt und damit auch für uns ein interessantes Ziel. Zunächst unternehmen wir bei stürmischem Wetter aber einen appetitanregenden Spaziergang hinauf zur hoch über der Stadt thronenden Plassenburg, einer imposanten Renaissance-Festung der damals hier herrschenden Hohenzollern-Fürsten. Von hier hat man einen tollen Blick über ganz Kulmbach.

Grünwehr am Mühlbach mit Blick auf die Plassenburg
Die Plassenburg ist eines der größten Renaissancebauwerke
Von oben hat man einen tollen Blick über die Stadt

Wieder unten in der Stadt, steuern wir – inzwischen ist es Mittagszeit – die sehr gemütliche Gasthausbrauerei Kommunbräu an. Sie hat eine ganz eigene, hochinteressante Geschichte: Nachdem die früher zahlreichen Kulmbacher Brauereien immer weniger geworden waren, beschlossen 1992 einige engagierte Bürger, eine Genossenschaft zu gründen mit dem Ziel, weiterhin handwerkliches Bier vor Ort herzustellen. Sie restaurierten eine seit Jahren leerstehende Mühle, die Limmersmühle, und brauten dort 1994 ihr erstes eigenes Bier. Und das mit viel Erfolg: Heute hat die Kommunbräu 500 Anteilseigner und ist zu einem nicht mehr wegzudenkenden Bestandteil der Kulmbacher Gastronomieszene geworden.

In die ehemalige Limmersmühle ist der Kommunbräu Kulmbach eingezogen
Sudkessel direkt im Wirtshaus
Bernstein-Bier und naturtrübes Helles vom Kommunbräu

Wir überzeugen uns davon bei einem deftigen Mittagessen und einem Hellen bzw. einem Bernstein-Bier. Beide sind naturtrüb und haben einen guten, vollmundigen Geschmack. Das ebenfalls in der Stadt befindliche Bayerische Brauerei- und Bäckereimuseum auf dem Gelände des ehemaligen Mönchshof-Bräu müssen wir leider auslassen – montags haben fast alle Museen geschlossen, das hier macht leider keine Ausnahme. So fahren wir weiter: Peter kennt aus den Zeiten, in denen er hier zwei Praxissemester absolviert hat, die Region rund um Bad Staffelstein gut und schlägt als nächstes Ziel die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen hoch über dem Maintal, genau gegenüber dem Kloster Banz gelegen, vor. Natürlich besichtigen wir die prachtvolle, nach Plänen von Balthasar Neumann errichtete barocke Basilika; anschließend schauen wir aber auch noch bei der Brauerei Trunk vorbei, die gleich nebenan seit 1803 ihr Bier produziert. Genau genommen tut sie das unter diesem Namen erst seit 1989; hervorgegangen ist die Brauerei aus dem neben der Basilika ansässigen Franziskanerkloster. Auf eine Bierverkostung verzichten wir hier; doch da Peter dieses Bier kennt, folge ich seiner Empfehlung und nehme zwei dunkle Nothelfer Export mit, das bekannteste Bier dieser Brauerei, während Peter sich neben dem Dunklen noch für einen Fastenbock entscheidet.

Prächtige barocke Basilika Vierzehnheiligen
Überwältigend in Fülle und Detailreichtum: Vierzehnheiligens Innenausstattung
Gleich neben Kirche und Kloster: die Brauerei Trunk
Einkauf im Viererpack: Nothelfertrunk und Josefibock

Nun rollen wir unweigerlich auf Frankens Bierhauptstadt Bamberg zu. Mit dem Hotel Molitor haben wir eine Unterkunft in bester Lage in der Altstadt, nur wenige Gehminuten vom Alten Rathaus, das mit seiner Lage auf einer Regnitz-Insel immer wieder begeistert, entfernt. Zwar haben wir an diesem Rosenmontagsnachmittag, von dem wir in Bamberg allerdings kaum etwas mitbekommen, nicht gerade das beste Wetter erwischt: Mehrmals gibt es kräftige Regenschauer.

Bei Regen fällt die Runde durch die Stadt kurz aus: Bambergs Dom
…schöne Fassaden in der Altstadt…
…und das pittoreske Ambiente von Klein-Venedig an der Regnitz

Doch das ist nicht weiter schlimm; wir kennen die Stadt gut genug, machen nur einen kurzen Abstecher zum Dom und sitzen schon bald in den gotischen Gewölben der bis auf das Jahr 1405 zurückgehenden Brauerei Heller, die wohl den meisten Besuchern dieser UNESCO-Welterbe-Stadt bekannt sein dürfte – Grund dafür ist das nur in Bamberg gebraute Rauchbier, ein dunkles Märzen mit dem Namen Schlenkerla, für das das Malz schon beim Dörren mit Buchenholzrauch aromatisiert wird. Der Geschmack: beim ersten Schluck sicher gewöhnungsbedürftig, aber wir kennen das Rauchbier ja bereits von früheren Bamberg-Besuchen und lassen es uns schmecken. In traditioneller Weise wird es außerdem nur noch in der Brauerei Spezial hergestellt, aber die hat diese Woche Betriebsurlaub.

Touristenmagnet in der Dominikanergasse: Rauchbierbrauerei Schlenkerla
Unverwechselbar im Geschmack – das Bamberger Rauchbier

Das herauszufinden, bedarf keiner besonderen detektivischen Begabung, denn direkt gegenüber dem Spezial befindet sich die zweite Bamberger Hausbrauerei, der wir an diesem Abend einen Besuch abstatten, die 1649 gegründete Brauerei Fässla. Sie liegt in der Oberen Königsstraße – Peter und mir bestens bekannt, schließlich hat Denise in Bamberg studiert und während dieser Zeit drei Jahre vielleicht hundert Meter von hier entfernt gewohnt. Drei Biere testen wir zusammen an diesem Abend im Fässla: Das angenehm hopfige Pils, das etwas kräftigere, malzigere Lager und das dunkle Zwergla, das die Wappengestalt des Hauses im Schilde führt – schon wieder ein Bierzwerg; in Abensberg waren sie uns gestern gleich im Rudel begegnet, und am Mittag in Kulmbach saß auch schon einer irgendwo auf dem Gartenzaun…!

Abends kehren wir in der Brauerei Fässla ein – ebenfalls in Bambergs Innenstadt
Zwergla und Lager sind zwei der Spezialitäten vom Fässla
Bierzwerge allerorten – in Kulmbach saß einer auf dem Gartenzaun