Wertheim-Reinhardshof.

Es ist ein ruhiger Montagmorgen in Lohr. Der Hochsommer legt gerade eine Verschnaufpause ein, bei bedecktem Himmel genießen wir unser Frühstück vor dem Café Rosenkranz und treffen uns gegen halb zehn Uhr wieder mit Marina und Christian, die von ihrem oberhalb der Stadt gelegenen Campingplatz kommen.

Unterwegs fängt es mal zu regnen an, beruhigt sich aber schnell wieder. Das Maintal schneidet sich jetzt südwärts durch die dicht bewaldeten Hügel des Spessarts – eine ruhige, sehr eindrucksvolle Kulisse. Wir kommen an einigen kleinen Orten vorbei, etwa Neustadt mit der altehrwürdigen, romanischen ehemaligen Benediktinerabtei-Kirche und Rothenfels (Bayerns kleinste Stadt) mit der hoch über dem Ort aufragenden Burg Rothenfels, ehe kurz darauf die gut 10.000 Einwohner zählende Stadt Marktheidenfeld zu einem Zwischenstopp einlädt.

Neustadts ehemalige Benediktinerabteikirche St. Michael und St. Gertrudis
Bayerns kleinste Stadt Rothenfels: Die Hauptstraße wirkt eher dörflich
Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt im Stil der Echtergotik mit barockem Turm
Über den Dächern der Stadt erhebt sich die mittelalterliche Burg Rothenfels

Ein kleiner Stadtbummel durch die Altstadt genügt; neben dem ausgesprochen hübsch angelegten Mainufer hat Marktheidenfeld vor allem ein paar schöne barocke Bürgerhäuser, allen voran das Franck-Haus, zu bieten; die mittelalterliche Stadtbefestigung existiert hier im Gegensatz zu vielen anderen Mainstädten nicht mehr.

Promeniermeile von Marktheidenfeld: der Mainkai
Marktplatz im Zentrum von Marktheidenfeld
Auffälliger Barockbau: das 1745 von einem Weinhändler errichtete Franck-Haus
Ehemalige Schmiede und Stadtpfarrkirche St. Laurentius

Nach Marktheidenfeld beginnt allmählich wieder der Weinanbau, von dem im Spessart nichts zu sehen war – auch landschaftlich begeisternd sind die Steillagen rund um Homburg, das von einem malerischen Schloss dominiert wird, welches im kaum weniger eindrucksvollen Kloster Triefenstein auf dem anderen Mainufer sein Pendant findet. Hier halten wir an einem Weingut und nehmen uns zwei Flaschen Silvaner für den Abend mit.

Bekannte Weinlage: Kallmuth bei Homburg
Über dem rechten Mainufer thront das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift Triefenstein
Hoch über den Dächern des Ortes thront das mittelalterliche Schloss Homburg

Ein paar Kilometer weiter erreichen wir die Landesgrenze zu Baden-Württemberg – ab hier bildet der Main für etwa 25 Kilometer die Trennlinie zu Bayern.

Markante Grenzsäule zu Baden-Württemberg zwischen Homburg und Bettingen

Das linke Mainufer, an dem wir weiterfahren, liegt dabei in Baden-Württemberg. Um die langgezogene, enge Urpharer Mainschleife herum kommen wir am frühen Nachmittag in der Großen Kreisstadt Wertheim an, von der wir als Erstes das hübsche barocke Schlösschen im Hofgarten sehen. Schnell haben wir durch enge Gassen den sehr gemütlichen Marktplatz erreicht, der mit seinen Fassaden aus Buntsandstein und Fachwerk prunkt. Dort legen wir eine Kaffeepause ein, bewundern die hoch über der Stadt auf einem Felsvorsprung thronende Burg Wertheim und beschließen, zunächst unsere im Außenbereich befindliche Unterkunft aufzusuchen. Um die Stadt genauer zu erkunden, können wir ja später noch mal reinfahren, sagen wir uns.

Als Sommerresidenz errichtet: Schlösschen im Hofgarten am Stadtrand von Wertheim
Belebter Marktplatz mit Blick auf den Turm der Stiftskirche St. Marien
…und dem Engelsbrunnen, einem Ziehbrunnen aus dem 16. Jahrhundert
Blick auf Burg Wertheim von der gegenüberliegenden Hangseite des Taubertals

Doch der Weg, den wir nun beschreiten, überzeugt uns schnell vom Gegenteil: Von Anfang an geht es über schmale Wege steil bergauf, dreimal müssen wir längere Treppenpassagen überwinden, die zwar jeweils mit einer Schiebespur für z. B. Kinderwägen ausgestattet sind, aber doch solch eine Steigung aufweisen, dass der Transport unserer voll bepackten Rädern eine richtige Plackerei ist.

Immer wieder schieben wir unsere Fahrräder über steile Rampen bergauf

Es dauert deutlich über eine Stunde, bis wir die gerade mal gut drei Kilometer lange Strecke in den 200 Meter höher gelegenen Stadtteil Reinhardshof überwunden haben, eine ehemalige US-Kaserne, die nach dem Abzug zu einem neuen Wohnviertel umgestaltet wurde. Unser Domizil ist zweifelsohne etwas Besonderes: Im Boardinghouse My Home Wertheim ganz am Rande von Reinhardshof haben wir ein Tiny House gemietet, das in einen mit Holz verkleideten ehemaligen Übersee-Container eingebaut wurde. Erst seit wenigen Monaten besteht diese Übernachtungsmöglichkeit, alles ist also brandneu. Angesichts der geographischen Gegebenheiten lassen wir den abendlichen Ausflug in die Innenstadt gerne bleiben und verpflegen uns lieber selbst – Supermärkte gibt es hier oben, und über eine Küche verfügt das Tiny House auch.

Endlich angekommen in Reinhardshof: Tiny House in einem ehemaligen Überseecontainer
Ungewohntes Wohngefühl: Lang und schmal, aber alles Wichtige ist vorhanden…