Bellach.

Nach einem langen, endlos erscheinenden Corona-Winter, der uns seit Herbst 2020 in seinem eisernen Griff gehabt hat, ist unser Bedürfnis nach etwas Tapetenwechsel und einer anderen Umgebung riesengroß geworden. Rechtzeitig zu Pfingsten sind die Reisebestimmungen endlich etwas gelockert worden, zudem profitieren wir nach unserer Covid-Infektion, die uns kurz vor Weihnachten erwischte, nun vom Genesenen-Status.

Bereits während des Lockdowns haben wir vereinbart: Unsere erste Auslandsreise nach Corona soll in die Schweiz führen. Wegen des dortigen Preisniveaus haben wir uns dafür entschieden, einen VW-Camper zu mieten und können diesen bereits am Montagabend in Nördlingen bei Nico Jilka von Vankult abholen: Dieses Unternehmen gibt es erst seit Anfang Mai, der Bus ist fabrikneu und wird zum ersten Mal an Kunden ausgegeben.

Wir überführen den Camper zum Beladen nachhause

So können wir am Dienstag in Ruhe zuhause einräumen (auch die Fahrräder sind dank des Trägers mit dabei) und am Spätnachmittag gleich bis Ochsenhausen fahren – die Kleinstadt im württembergischen Oberschwaben ist der Wohnort von Janas Mutter, die sich in der schwierigen Zeit wenige Wochen nach dem Tod von Janas Vater über unseren Besuch freut. Mit einem Picknick am idyllischen Neuweiher beim Stadtteil Hattenburg beschließen wir den Tag und setzen unsere Anreise in die Schweiz am Mittwoch von Ochsenhausen aus fort.

Am idyllischen Neuweiher
…lassen wir uns für ein abendliches Picknick nieder
Von Ochsenhausen geht’s weiter in Richtung Schweiz

Nach etwa zwei Stunden erreichen wir die Grenze beim Übergang Bietingen/Thayngen unweit von Schaffhausen: Die LKWs stauen sich auf imposanter Länge, wir dagegen kommen auf der PKW-Spur zügig voran und werden bei der Einreise lediglich gefragt, ob wir Waren einführen. Das Thema Corona wird hingegen überhaupt nicht erwähnt. Mit der Schweizer Autobahnvignette und einem Vorrat an Schweizer Franken in bar ausgestattet, passieren wir mit Schaffhausen, Winterthur, Zürich und Aarau einige größere Städte, ohne anzuhalten. Als erstes Etappenziel haben wir eigentlich den kleinen Ort Hägendorf auserkoren – doch vorher müssen wir erst noch ein technisches Problem lösen. Die Schweiz macht beim europäischen Roaming-Abkommen nach wie vor nicht mit: Mobiles Internet mit der deutschen SIM-Karte würde demzufolge richtig teuer werden. Die Lösung: Schweizer SIM-Karten für die Dauer unseres Aufenthalts – und die hoffen wir in dem kleinen Städtchen Aarburg zu bekommen. In einem Kiosk mitten im Ort werden wir für 10 Franken pro Person tatsächlich fündig und sind dafür erst einmal mit 1 GB mobilen Daten ausgerüstet – so erklärt es uns der Verkäufer, ein junger Nordafrikaner mit nicht ganz akzentfreiem Schwyzerdütsch. Bei der Anmeldung beweist er sehr viel Geduld und Flexibilität – mit unseren deutschen Adressen funktioniert es irgendwie nicht, also werden wir von ihm kurzerhand zu Untermietern in seinem Laden gemacht. Danach erst haben wir Augen und Kopf richtig frei, um uns die pittoresken Fassaden am Städtchen genannten Aarburger Marktplatz, die markante Flusskurve der Aare gleich am Südrand der Innenstadt und vor allem die imposante Festung Aarburg und die doppeltürmige Reformierte Kirche auf einem den Ort überragenden Felssporn in Ruhe anzusehen.

Breit fließt die Aare an Aarburg vorbei
Historische Fassaden säumen das Städtchen in Aarburg
Dominanten in Aarburgs Stadtbild: Festung und Reformierte Kirche

Allerdings willen wir ja eigentlich nach Hägendorf – zum Glück ist das von hier nicht mehr weit. Hier hilft uns zum ersten Mal die App Park4Night weiter, die wir aufgrund eines Tipps unseres Schwagers Marco installiert haben (vielen Dank dafür, Marco!): Am Bahnhof kann man gut parken, und von dort ist auch eine kleine Wanderung ausgeschildert, die uns in die urige, von dichtem Wald, steilen Felsen und Wasserfällen in den verschiedensten Varianten geformte Tüfelsschlucht führt, durch die sich der Cholersbach zwängt.

Der Rote Teufel weist uns den Weg…
…in die herrlich grüne…
…von zahlreichen Wasserfällen gestaltete…
…und von Felswänden begleitete…
…Tüfelsschlucht

Tagesziel ist eigentlich Solothurn. Da es aber schon 18 Uhr ist, lernen wir die Kantonshauptstadt heute nicht mehr kennen. Mithilfe der App finden wir im nahegelegenen Bellach auf dem B&B Aarhof, etwas außerhalb des Orts zwischen Aare und Bahnlinie gelegen, einen günstigen Stellplatz für die Nacht und lassen den Anreisetag mit einer kleinen Spazierrunde durch den ruhigen Ort am Fußes des Schweizer Jura ausklingen.

Breit zieht die Aare an Bellach vorbei
Am Südfuß des Jura gelegen: Bellach
Historische Fassade: Altes Schulhaus im Ortszentrum
Erster Boxenstopp: B&B Aarhof
…direkt an einer vielbefahrenen Bahnlinie